{"id":3372,"date":"2023-03-06T10:07:23","date_gmt":"2023-03-06T08:07:23","guid":{"rendered":"http:\/\/gruene-lk-ks.de\/baunatal\/?p=3372"},"modified":"2023-03-06T10:07:23","modified_gmt":"2023-03-06T08:07:23","slug":"7-maerz-2023-equal-pay-day","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/gruene-lk-ks.de\/baunatal\/7-maerz-2023-equal-pay-day\/","title":{"rendered":"7. M\u00e4rz 2023 &#8211; Equal Pay Day"},"content":{"rendered":"\n<p>Eine frauenpolitische Einordnung<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr den 7. M\u00e4rz 2023 &#8211; direkt einen Tag vor dem Internationalen Frauentag &#8211; ist mit dem sogenannten \u201eequal pay day\u201c f\u00fcr dieses Jahr der Tag der Lohngerechtigkeit zwischen M\u00e4nnern und Frauen berechnet worden. Die Lohnl\u00fccke zwischen M\u00e4nnern und Frauen in sozialversicherungspflichtiger Vollzeitbesch\u00e4ftigung liegt bundesweit bei 18 Prozent, orientiert an der statistischen Erfassung der Zahlen aus dem Jahr 2021. Dies bedeutet, dass rein statistisch gesehen erst ab diesem Tag Frauen f\u00fcr ihre Arbeit den selben Lohn bek\u00e4men wie eben m\u00e4nnliche Kollegen oder anders gesagt, \u201eder Internationale Frauentag am 8. M\u00e4rz 2023 ist der erste Tag im Jahr, an dem M\u00e4nner und Frauen dasselbe verdienen. Damit bekommt dieser Tag noch mehr Symbolkraft\u201c, sagt Vera Bentele, die Pr\u00e4sidentin des Sozialverbandes VdK.<\/p>\n\n\n\n<p>Haben Frauen das <em>verdient<\/em>??<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Blick in den Hessischen Lohnatlas, den Sozialminister Kai Klose, Gr\u00fcne, im Dezember 2022 vorgestellt hat, verr\u00e4t uns, dass in Hessen die Lohnl\u00fccke in 2021 bei 9 Prozent liegt. Interessant ist, dass sich die Lohnl\u00fccke der Einwohnerinnen und Einwohner in Hessen in sozialversicherungspflichtiger Vollzeitbesch\u00e4ftigung seit Beginn der Pandemie schneller verringert hat als vorher. In 2019 betrug die hessische Lohnl\u00fccke noch 11,2 Prozent, dann in 2020 verkleinert sich diese auf 9,6 Prozent und nun f\u00fcr 2021 bei 9,0 Prozent. Damit hat sich die Entwicklungsdynamik der Ann\u00e4herung an Entgeltgleichheit zwar im Zweiten Pandemiejahr 2021 etwas verkleinert, doch f\u00e4llt die Lohnl\u00fccke im Vergleich zum Bundesdurchschnitt noch verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig gering aus und auch im ersten Hessischen Lohnatlas von 2012 betrug die Quote noch 15,9%.<\/p>\n\n\n\n<p>Woran liegt das, werden Frauen qua Geschlecht und Geschlechterrolle schlechter bezahlt als M\u00e4nner? So eindeutig l\u00e4sst sich diese Frage nicht beantworten, aber sie steht f\u00fcr mich im Raum.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Viele Faktoren sind betrachtet und ber\u00fccksichtigt worden, so z.B. unterschiedlich hohe Lohnl\u00fccken bei unterschiedlichen <strong>Qualifikationsniveaus<\/strong>. Im Jahr 2021 sind die Entgeltl\u00fccken auf dem Niveau <strong>ohne<\/strong> Berufsabschluss mit 7,1 Prozent am geringsten. Bei sozialversicherungspflichtig Vollzeitbesch\u00e4ftigten <strong>mit <\/strong>Berufsabschl\u00fcssen betr\u00e4gt die L\u00fccke zwischen Frauen und M\u00e4nnern in sozialversicherungspflichtiger im gleichen Jahr 10,1 Prozent. Deutlich gr\u00f6\u00dfer ist nach wie vor die Lohnl\u00fccke bei Besch\u00e4ftigen mit akademischen Abschl\u00fcssen. Dort betr\u00e4gt die Entgeltl\u00fccke noch immer 24,9 Prozent. Dies bedeutet, dass akademisch qualifizierte Frauen im Schnitt ein Viertel weniger verdienen als M\u00e4nner mit vergleichbarem Abschluss!&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eHohe Entgelte bei einer zunehmenden Zahl von Berufseinsteigerinnen, aber auch verst\u00e4rkte&nbsp; Kurzarbeit w\u00e4hrend der Pandemie, von welcher M\u00e4nner in sozialversicherungspflichtiger Vollzeit st\u00e4rker betroffen sind als Frauen und auch h\u00f6here Entgelte (in der Leiharbeit) in den Gesundheits- und Pflegeberufen gelten als wesentliche Gr\u00fcnde f\u00fcr den st\u00e4rkeren R\u00fcckgang der Lohnl\u00fccke in Hessen.\u201c (Hessischer Lohnatlas 2022). Hier also ist ein weiterer Faktor zu ber\u00fccksichtigen, die Lohnerh\u00f6hungen in den <strong>traditionellen Frauenberufen<\/strong> (Soziale Berufe in Pflege, Gesundheit und personenbezogene Dienstleistungen), die f\u00fcr Frauen wirklich positiv zu werten sind.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcbrigens k\u00f6nnen sich in einer gerade ver\u00f6ffentlichten Studie der Internationalen Hochschule in Erfurt nur 21,8 Prozent der jungen M\u00e4nner in Deutschland vorstellen, im sozialen Bereich zu arbeiten. Als Gr\u00fcnde f\u00fcr die Unattraktivit\u00e4t der sozialen Berufe werden Verdienst, fehlende Anerkennung und die Arbeitsbedingungen genannt (HNA, 03.03.2023)<\/p>\n\n\n\n<p>Da gibt es in anderen <strong>Segmenten des Arbeitsmarktes<\/strong> noch wesentlich gr\u00f6\u00dfere L\u00fccken. W\u00e4hrend bei den Einwohnerinnen und Einwohnern von Hessen mit sozialversicherungspflichtiger Vollzeitbesch\u00e4ftigung, die in einem Produktions- oder MINT-Beruf t\u00e4tig sind, Entgeltgleichheit nahezu erreicht ist, stellt sich die Lage in den kaufm\u00e4nnischen und wirtschaftlichen Dienstleistungsberufen anders dar. Dort betr\u00e4gt die Lohnl\u00fccke immer noch 24,5 Prozent, vor allen Dingen bei den Stellenprofilen \u201eSpezialist*in\u201c und \u201eExpert*in\u201c, wohingegen eine \u201eFachkraft\u201c deutlich gleichwertiger bezahlt wird.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>An dieser Stelle folgt ein kleiner \u201eQuoten\u201c-Exkurs: Betrachten wir die Unterrepr\u00e4sentanz von Frauen in F\u00fchrungspositionen! \u201eAu\u00dferhalb des Finanzsektors sind die Vorst\u00e4nde der 200 umsatzst\u00e4rkste Unternehmen in Deutschland nach Zahlen des Deutschen Wirtschaftsforschungsinstitutes DIW nur zu rund 16 Prozent mit Frauen besetzt\u2026 B\u00f6rsenorientierte Unternehmen mit mehr als 2000 Besch\u00e4ftigten m\u00fcssen seit August 2022 bei Neubesetzungen im Vorstand mindestens eine Frau berufen, wenn das F\u00fchrungsgremium mehr als drei Mitglieder hat.\u201c (HNA, 03.03.2023) Und weiter sieht Eva Kienle, Vorstandsmitglied des Saatgutz\u00fcchters KWS in der HNA \u201eeinen Spagat zwischen Familie und Karriere: Kandidaten f\u00fcr die Top-Positionen werden meist unter den 35- bis 40-j\u00e4hrigen ausgew\u00e4hlt.\u201c Oftmals also in der Zeit der Familienpause &#8211;&nbsp; gerade die der Sp\u00e4tgeb\u00e4renden mit akademischen Hintergrund, die sich dann zwischen Kind und Karriere entscheiden m\u00fcssen. Spitzenjobs werden nicht in Teilzeit gedacht!<\/p>\n\n\n\n<p>Im Hessischen Lohnatlas ist au\u00dferdem ausgef\u00fchrt, dass die Lohnl\u00fccken nicht nur von den ausge\u00fcbten Berufen abh\u00e4ngen, sondern auch von den Strukturen der Betriebe. Es bestehen Unterschiede in den einzelnen Berufssektoren, abh\u00e4ngig von den ans\u00e4ssigen Betrieben vor Ort, im Vergleich der hessischen Kreise und kreisfreien St\u00e4dte. So verkleinern sich Lohnl\u00fccken in urbanen Bereichen schneller als in l\u00e4ndlich strukturierten Gebieten. Dies entspricht auch den Erkenntnissen der einschl\u00e4gigen Forschung, wonach insbesondere Gro\u00dfbetriebe und Universit\u00e4ten in Gro\u00dfst\u00e4dten zu einer schnelleren Arbeitsmarktintegration qualifizierter Frauen und deren Aufstiegen f\u00fchren als kleinteilige Betriebsstrukturen in l\u00e4ndlichen R\u00e4umen. Dies bedeutet in Zahlen, dass die Lohnl\u00fccke im Kreis Hersfeld-Rotenburg mit 18,4 Prozent am h\u00f6chsten in Hessen ist, der Kreis Kassel liegt bei 15,5 Prozent, die Stadt Kassel im Vergleich dazu \u201enur\u201c bei 5,9 Prozent, die Stadt Frankfurt bei 4,9 Prozent und dies soll nat\u00fcrlich nicht verschwiegen werden: die Stadt Offenbach liegt erstaunlicherweise erstmals bei -3,3 Prozent. Zum Vergleich lag die Lohnl\u00fccke im Kreis Hersfeld-Rotenburg bei 26,1 Prozent in 2012, der Kreis Kassel lag damals bei 22,3 Prozent, die Stadt Kassel bei 13,2 Prozent und in der Stadt Offenbach waren es in 2012 auch schon \u201enur\u201c 4,9 Prozent.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Grunds\u00e4tzlich ist festzuhalten, dass eben gerade viele Frauen &#8211; und dies nicht nur \u201eim geb\u00e4rf\u00e4higen Alter\u201c&nbsp; &#8211; nach wie vor in unterbezahlten, in sogenannten prek\u00e4ren Arbeitsverh\u00e4ltnissen, in Teilzeit, oftmals mit befristeten Arbeitsvertr\u00e4gen und\/oder auf Minijob-Basis arbeiten. Diese werden von diesen Statistiken im Prinzip gar nicht erfasst. Die Wahl f\u00fcr Frauen einen solchen Job anzunehmen, liegt meistens nicht an der fehlenden Qualifikation, sondern an der Flexibilit\u00e4t des Arbeitsmarktes sich auf die besonderen Rahmenbedingungen von \u201eFrauenarbeit\u201c einzustellen und damit einhegend an unzureichenden Kinderbetreuungsangeboten (in Krippe, U3 Betreuung, Kita, Horte, verl\u00e4\u00dfliche Grundschule\u2026).&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Und wir als Gesamtgesellschaft m\u00fcssen daf\u00fcr sorgen, dass diese Angebote f\u00fcr die Frauen und die Familien bezahlbar sind! Denn sonst geht die Rechnung nicht auf und die betroffenen Frauen bleiben im Zweifelsfall dann doch zu Hause, um die Kinderbetreuung zu gew\u00e4hrleisten, da die M\u00e4nner (au\u00dferhalb der Elternzeit) zumeist die besseren Arbeitsbedingungen und vor allem das h\u00f6here Arbeitsentgelt haben, um eine Familie davon zu ern\u00e4hren. Die Stadtverordnetenversammlung der Stadt Baunatal hat \u00fcbrigens mit den Stimmen der SPD, CDU und FDP- Vertreter*innen in ihrer Sitzung am 30.01.2023 gegen die Stimmen der Gr\u00fcnen eine Erh\u00f6hung der Geb\u00fchren f\u00fcr die Nachmittagsbetreuung vorgenommen und wird zuk\u00fcnftig auch im U3 Bereich Geb\u00fchren einf\u00fchren\u2026 So sieht Frauenpolitik im Jahr 2023 in Baunatal aus!<\/p>\n\n\n\n<p>Ein weiterer Aspekt: Schlechte L\u00f6hne von Frauen haben auch un\u00fcbersehbare Folgen f\u00fcr den sp\u00e4teren Rentenanspruch!&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Vera Bentele vom Sozialverband VdK fasst folgende Forderungen des VdK zum \u201eequal pay day\u201c so zusammen:&nbsp; \u201eFrauen haben ein Recht auf gleiche Bezahlung. Der VdK fordert deshalb eine Nachbesserung des Entgelttransparentgesetzes, das bisher nur f\u00fcr Betriebe mit mehr als 200 Besch\u00e4ftigten gilt. Dieses muss auf alle Unternehmen ausgeweitet werden. Dar\u00fcberhinaus muss der Mindestlohn auf wenigstens 13\u20ac angehoben werden. Nur so ist eine Rente oberhalb der Grundsicherung garantiert\u2026\u201c&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Bravo Vera! Ich sehe das genauso!<\/p>\n\n\n\n<p>Irle J\u00fcrgens, Gr\u00fcne, OV Baunatal, im M\u00e4rz 2023<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine frauenpolitische Einordnung F\u00fcr den 7. 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